Stadtgeschichte

Auszeichnung für das Gesamtwerk „100 Jahre Frauenwahlrecht – Würselener Frauen in der Politik“

Im Jahr 2018 ergriff die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Würselen Silke Tamm-Kanj die Initiative, um gemeinsam mit der Geschichtswerkstatt Würselen die Geschichte um den „Kampf“ des Frauenwahlrechts in Würselen aufzuarbeiten. Vor allem sollten die persönlichen Geschichten der Würselener Frauen, die nach der Einführung des Frauenwahlrechts politisch aktiv wurden, erzählt werden. Eine geschichtlich bedeutende Leistung, die bereits 2019 mit der Herausgabe des Schlaglichter-Heftes Nr. 7 unter dem Titel „100 Jahre Frauenwahlrecht – Würselener Frauen der ersten Stunde“ veröffentlicht wurde. Für diese Publikation erhielt die Projektgruppe seinerzeit die Anerkennungsurkunde Helmut A. Crous Geschichtspreis der Region Aachen in der Kategorie „Privatforscherinnen/Privatforscher“.

Damit war die Arbeit der Ehrenamtlichen rund um die Geschichtswerkstatt allerdings keineswegs beendet. Auch während der Corona-Pandemie arbeitete die Projektgruppe unter der Leitung der Gleichstellungsbeauftragten unter teilweise erschwerten Bedingungen weiter – mit einem weiteren bedeutenden Erfolg. Im Oktober 2021 wurde das Schlaglichter-Heft Nr. 10 veröffentlicht, worin es um die Gemeinde- und Stadträtinnen, die Kandidatinnen und sachkundigen Bürgerinnen aus der Zeit von 1933 bis zur kommunalen Neugliederung 1972 aus Bardenberg, Würselen und Broichweiden ging.

Nachdem auch dieser zweite Band äußerst erfolgreich auf interessierte Leserinnen und Leser gestoßen war, entschied der Vorstand der Geschichtswerkstatt gemeinsam mit der Gleichstellungsbeauftragten, weitere Würselener Frauen in der Politik zu präsentieren. Der chronologischen Reihenfolge entsprechend widmete man sich diesmal den Jahren 1972 bis 2020.  Schlaglichter-Heft Nr. 13 wurde im September 2024 veröffentlicht und am 29. September 2024 in Zusammenhang mit einer eigenen Ausstellung und feierlichem Rahmenprogramm der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Die drei Bände umfassen damit 100 Jahre Frauengeschichte in Würselen (bzw. bis zum Jahr 1972 in den Gemeinden Bardenberg und Broichweiden).

„Neben den Portraits sind in jedem Heft auch die frauenpolitischen Entwicklungen der jeweiligen Zeitspanne in Deutschland und in Würselen umfassend und sehr informativ aufgearbeitet. Über die historisch wichtigen Meilensteine der Frauenpolitik hinaus ist es uns gelungen, den Politikerinnen und ihrem Wirken einen würdigen Platz in unserer Geschichtsschreibung zu geben“, sagt Gleichstellungsbeauftragte Silke Tamm-Kanj.

Die Steigerung des Frauenanteils in den Gemeinde- und Stadträten ist in den Heften gut abzulesen. Waren es anfangs in den Jahren von 1919 bis 1933 nur zehn Stadt- und Gemeinderätinnen, so waren es in der Zeit von 1933 bis 1972 bereits dreizehn und von 1972 bis 2020 schon 35 Stadträtinnen. Eine von ihnen war darüber hinaus Landtagsabgeordnete und vier weitere Frauen gehörten dem Kreis- bzw. Städteregionstag Aachen an.

„Natürlich ist eine so umfangreiche Arbeit nicht alleine zu vollbringen“, betont Tamm-Kanj. Unter der Projektleitung von Silke Tamm-Kanj arbeiteten in den unterschiedlichen Projektgruppen im Laufe der Jahre fachkompetent mit: Ursula Best, Günter Breuer, Gabriele Eichelmann, Iris Gedig, Achim Großmann (Gründer und ehemaliger Vorsitzender der Geschichtswerkstatt, verstorben im April 2023), Ellen Hahn, Brigitte Heinrichs, Gisela Nestler, Heinz-Josef Mangez, Beate Müller, Martina Offermanns, Marlene Rüland und Franz-Josef Wirtz.

Die Projektgruppe ist für das herausragende Gesamtwerk am 7. November 2024 als Siegerin mit dem den Helmut A. Crous Geschichtspreis der Kategorie Privatforscher:innen ausgezeichnet worden.

„Drei Bände der Schlaglichter-Reihe zeigen die historischen Entwicklungen zum Wahlrecht für Frauen auf und beleben damit die Zeitgeschichte“, betonte Bürgermeister Roger Nießen. „Die Biografien der Frauen haben Vorbildfunktion und wollen zugleich Frauen ermutigen, sich politisch zu engagieren“. Den Ehrenamtlichen rund um Gleichstellungsbeauftragte Silke Tamm-Kanj und die Geschichtswerkstatt gratulierte er herzlich zu der Auszeichnung.

Der Geschichtspreis in Gestalt einer Urkunde hat einen Ehrenplatz im Rathaus erhalten und ist zusammen mit der Anerkennungsurkunde aus dem Jahr 2019 im Sitzungstrakt zu sehen.